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KNX Update & Migration

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Aktualisiert: 14.5.2026knx update migration ets firmware modernisierung secure
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Warum KNX-Systeme Updates brauchen

KNX ist bekannt für seine Langlebigkeit und Abwärtskompatibilität — ein Aktor von 1993 funktioniert in einer Installation von 2026. Aber das bedeutet nicht, dass man ein System 20 Jahre unverändert laufen lassen sollte. Updates bringen neue Funktionen, bessere Sicherheit und Fehlerbehebungen.

In diesem Artikel erkläre ich, welche Update-Typen es gibt, wie eine Migration von älteren auf neuere Systeme abläuft und worauf Sie achten müssen.

Update-Typen im KNX-Universum

ETS-Software-Update

Die ETS ist das Werkzeug, mit dem Ihr KNX-System programmiert wird. Aktuelle Version: ETS6. Wichtig: Ein ETS-Update ändert nichts an Ihrer Hardware — es betrifft nur das Programmier-Werkzeug des Systemintegrators.

ETS-VersionStatusMigration
ETS2 (1996)VeraltetProjekte importierbar in ETS4/5/6
ETS3 (2004)VeraltetProjekte importierbar in ETS4/5/6
ETS4 (2010)End of LifeProjekte direkt in ETS5/6 öffenbar
ETS5 (2014)AuslaufendProjekte direkt in ETS6 öffenbar
ETS6 (2022)AktuellEmpfohlene Version

Lesen Sie auch unsere ETS6 Einführung für Details zu den neuen Funktionen.

Firmware-Updates einzelner Geräte

Moderne KNX-Geräte (ab ca. 2015) unterstützen Firmware-Updates über den Bus. Ältere Geräte nicht — bei denen ist die Firmware fest eingebrannt und kann nur durch Gerätetausch „aktualisiert" werden.

  • Was wird aktualisiert: Bug-Fixes, neue Parameter, Sicherheits-Patches
  • Wie: Über die ETS, Gerät wird einzeln angesprochen und geflasht
  • Risiko: Gering, aber Vorsicht: Während des Updates darf die Busspannung nicht unterbrochen werden
  • Wann sinnvoll: Bei bekannten Bugs, bei Sicherheits-Updates für IP-Geräte, bei neuen Funktionen die Sie nutzen wollen

Gerätetausch (Hardware-Migration)

Irgendwann ist ein Gerät am Ende seiner Lebensdauer — oder ein neueres Modell bietet deutlich bessere Funktionen. Der Gerätetausch in KNX ist vergleichsweise einfach:

  1. Altes Gerät abklemmen
  2. Neues Gerät montieren (oft gleiche Montageplatte, DIN-Schiene)
  3. Physische Adresse zuweisen
  4. Applikationsprogramm laden (in der ETS oft ähnliche Parameter)
  5. Testen

Dauer pro Gerät: 15–60 Minuten (je nach Komplexität der Parametrierung).

Typische Migrations-Szenarien

Szenario 1: ETS-Projekt-Upgrade

Ihr System wurde mit ETS3 oder ETS4 programmiert. Der aktuelle Integrator arbeitet mit ETS6. Was passiert?

  • Projekt importieren: ETS6 kann Projekte ab ETS2 importieren. Gruppenadressen, Topologie und Parameter bleiben erhalten
  • Applikationsprogramme aktualisieren: Für manche älteren Geräte gibt es aktualisierte Produktdatenbanken. Die ETS schlägt das automatisch vor
  • Testen: Nach dem Import alle Funktionen stichprobenartig prüfen
  • Aufwand: 2–4 Stunden für ein typisches Einfamilienhaus

Szenario 2: Teilmodernisierung

Sie wollen Teile des Systems erneuern, aber nicht alles auf einmal. Typisches Beispiel: Die Schaltaktoren aus den 2000ern durch moderne Dimmaktoren ersetzen.

  • Schrittweise Erneuerung: Gewerk für Gewerk — erst Licht, dann Jalousie, dann Heizung
  • Alte und neue Geräte mischen: Dank Abwärtskompatibilität kein Problem
  • Gruppenadressen beibehalten: Die bestehende Adressierung bleibt, nur die Geräte wechseln
  • Budget über mehrere Jahre verteilen: Jedes Jahr ein Gewerk modernisieren

Szenario 3: Komplett-Modernisierung

Das System ist 15–20 Jahre alt, viele Geräte am Lebensende, die Anforderungen haben sich grundlegend geändert. In diesem Fall empfiehlt sich eine komplette Neuplanung mit der bestehenden Verkabelung als Basis.

  • Verkabelung bleibt: Die Busleitung und die 230V-Verdrahtung müssen nicht getauscht werden (wenn sie in gutem Zustand ist)
  • Verteilerschrank erneuern: Neue Hutschienen-Geräte, neue Spannungsversorgung, neuer IP-Router
  • Komplette Neuprogrammierung: Neues ETS-Projekt, neue Topologie, neue Gruppenadressstruktur
  • Aufwand: Vergleichbar mit einer Neuinstallation, aber ohne Verkabelungskosten (spart 30–40 %)

Spezialfall: Migration auf KNX Secure

KNX Secure verschlüsselt die Bus-Kommunikation — wichtig für IP-vernetzte Systeme und zunehmend für den Versicherungsschutz. Die Migration auf KNX Secure erfordert:

  • KNX-Secure-fähige Geräte: Nur Geräte ab ca. 2019 unterstützen Secure
  • ETS6: KNX Secure wird nur in ETS6 vollständig unterstützt
  • Schrittweise möglich: Sie können Secure nur auf der IP-Ebene aktivieren (Data Secure für Bus-zu-Bus) und den TP-Bus weiterhin unverschlüsselt betreiben

Kosten einer KNX-Migration

Migrations-TypAufwandKosten (EFH)
ETS-Projekt-Upgrade (nur Software)2–4 Stunden300–600 EUR
Firmware-Updates (10–20 Geräte)3–6 Stunden400–900 EUR
Teilmodernisierung (1 Gewerk)1–2 Tage1.500–4.000 EUR
Komplett-Modernisierung (alle Geräte)3–5 Tage8.000–15.000 EUR
KNX Secure Nachrüstung (IP-Ebene)1 Tag800–2.000 EUR

Wann sollte man modernisieren?

  • Spannungsversorgung zeigt Alterung: Ausgangsspannung sinkt unter 28V, Gerät wird warm → Austausch planen
  • Relais-Aktoren nahe Schaltgrenze: Ab 100.000 Schaltzyklen steigt die Ausfallwahrscheinlichkeit → auf elektronische Aktoren umsteigen
  • Neue Anforderungen: Multiroom-Audio, Sprachsteuerung, PV-Integration — dafür braucht man eventuell neue Geräte
  • Sicherheit: IP-Geräte ohne Secure sind ein potenzielles Risiko → schrittweise auf Secure migrieren
  • ETS-Projekt nicht auffindbar: Wenn kein aktuelles ETS-Projekt existiert, ist eine Rekonstruktion nötig — ein guter Zeitpunkt für eine gleichzeitige Modernisierung

Fazit: Evolution statt Revolution

KNX-Migration ist kein Alles-oder-nichts-Projekt. Dank der Abwärtskompatibilität können Sie Ihr System schrittweise modernisieren — Gewerk für Gewerk, Jahr für Jahr. Das verteilt die Kosten und minimiert das Risiko. Wichtig ist nur: Halten Sie das ETS-Projekt immer aktuell und lassen Sie die Anlage regelmäßig warten.

Sie haben ein älteres KNX-System und überlegen, was sinnvoll ist? Nehmen Sie Kontakt auf — eine Bestandsaufnahme klärt schnell, wo Handlungsbedarf besteht.

KNX Wartung — Sven Felber

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