Start Ratgeber KNX Technik KNX Topologie

KNX Topologie

✏️ Bearbeiten
Aktualisiert: 4.4.2026
Inhaltsverzeichnis (26)

Was die KNX-Topologie für Ihr Gebäude bedeutet

Stellen Sie sich die KNX-Topologie wie das Nervensystem eines Gebäudes vor. So wie Nerven in Strängen gebündelt durch den Körper laufen und in übergeordneten Zentren zusammenlaufen, organisiert KNX seine Geräte in Linien, Bereiche und einem Backbone. Diese hierarchische Struktur ist kein akademisches Konstrukt — sie bestimmt, wie zuverlässig Ihr System arbeitet, wie einfach es erweiterbar ist und wie schnell ein Techniker im Fehlerfall die Ursache findet.

Wer ein KNX-System plant, ohne die Topologie zu verstehen, baut im Grunde ein Haus ohne Bauplan. Es mag funktionieren — aber bei der ersten Erweiterung oder Störung wird jeder fehlende Gedanke zur teuren Nacharbeit.

In diesem Artikel erfahren Sie, wie die KNX-Topologie aufgebaut ist, welche Regeln Sie kennen müssen und wie ein erfahrener KNX Systemintegrator die Topologie so plant, dass Ihr System über Jahrzehnte zuverlässig arbeitet.

Die drei Ebenen der KNX-Topologie

Jedes KNX-System folgt einer dreistufigen Hierarchie: Linie — Bereich — Backbone. Diese Struktur ist im KNX-Standard (ISO/IEC 14543-3) festgelegt und gilt für jede Installation, vom Einfamilienhaus bis zum Flughafenterminal.

Ebene 1: Die Linie

Die Linie ist die kleinste Organisationseinheit. An einer Linie hängen bis zu 64 KNX-Geräte — Aktoren, Sensoren, Tastsensoren, Binäreingänge. Alle Geräte einer Linie teilen sich ein gemeinsames Bus-Kabel (das grüne KNX-Twisted-Pair-Kabel, auch TP-Kabel oder J-Y(St)Y 2×2×0,8 genannt) und eine gemeinsame Spannungsversorgung.

Eine Linie hat immer genau ein Netzteil mit Drossel. Die Drossel trennt die Datenkommunikation von der Stromversorgung — ohne sie würde das Netzteil die Bustelegramme kurzschließen. Die maximale Leitungslänge beträgt 1.000 Meter (Summe aller Kabelwege), wobei zwischen Netzteil und dem entferntesten Gerät maximal 350 Meter liegen dürfen.

In der Praxis organisieren erfahrene Planer die Linien nach Funktion oder Geschoss: eine Linie für Beleuchtung, eine für Heizung, eine für Jalousien. Das macht die Fehlersuche einfacher und begrenzt die Auswirkungen einer Störung auf einen überschaubaren Bereich.

Wichtig: Obwohl der Standard 64 Geräte pro Linie erlaubt, empfehlen erfahrene Systemintegratoren, nicht mehr als 40–50 Geräte pro Linie zu platzieren. Der Grund: Jedes Telegramm muss von allen Geräten auf der Linie empfangen werden. Je mehr Geräte, desto höher die Buslast — und desto größer die Wahrscheinlichkeit von Telegrammkollisionen bei gleichzeitigen Ereignissen.

Ebene 2: Der Bereich

Ein Bereich fasst bis zu 15 Linien zusammen. Die Verbindung zwischen den Linien eines Bereichs erfolgt über Linienkoppler (LK) — spezielle KNX-Geräte, die als intelligente Filter arbeiten. Jeder Linienkoppler sitzt zwischen seiner Linie und der sogenannten Bereichslinie (auch Hauptlinie genannt).

Die Bereichslinie selbst ist technisch identisch mit einer normalen Linie: gleiches Kabel, eigenes Netzteil mit Drossel, maximal 64 Geräte. Der Unterschied liegt in der Funktion: An der Bereichslinie hängen keine Aktoren oder Sensoren, sondern ausschließlich die Linienkoppler der untergeordneten Linien.

Linienkoppler haben eine entscheidende Eigenschaft: Sie filtern den Telegrammverkehr. Standardmäßig lassen sie nur Telegramme passieren, die tatsächlich für Geräte auf der anderen Seite bestimmt sind. Ein Lichttelegramm aus der Beleuchtungslinie im Erdgeschoss muss nicht die Heizungslinie im Obergeschoss belasten. Diese Filterung reduziert die Buslast dramatisch und ist einer der Hauptgründe, warum KNX-Systeme auch mit hunderten von Geräten performant bleiben.

In einem typischen Wohnbauprojekt entspricht ein Bereich oft einem Gebäudeteil oder Flügel. In der Gebäudeautomation im Gewerbe kann ein Bereich auch ein ganzes Stockwerk oder eine Nutzungseinheit abbilden.

Ebene 3: Der Backbone

Der Backbone (auch Bereichsleitungsebene genannt) verbindet bis zu 15 Bereiche miteinander. Die Verbindung erfolgt über Bereichskoppler (BK), die funktional den Linienkopplern entsprechen, aber auf Bereichsebene filtern.

Rechnerisch ergibt sich damit die maximale Kapazität eines KNX-Systems: 15 Bereiche × 15 Linien × 64 Geräte = 14.400 Geräte. In der Praxis wird diese Grenze nie erreicht — selbst große Bürokomplexe oder Kliniken kommen mit wenigen hundert Geräten aus.

Der Backbone kann wahlweise als TP-Backbone (klassisches KNX-Kabel) oder als IP-Backbone (Ethernet) ausgeführt werden. Bei IP-Backbones übernehmen KNX/IP-Router die Rolle der Bereichskoppler. Der Vorteil: unbegrenzte Leitungslängen, höhere Übertragungsgeschwindigkeit und die Möglichkeit, KNX-Telegramme über das bestehende IT-Netzwerk zu transportieren.

Physikalische Adressen — das Postleitzahlensystem von KNX

Jedes KNX-Gerät hat eine physikalische Adresse, die seinen Standort in der Topologie eindeutig beschreibt. Das Format ist B.L.T — Bereich.Linie.Teilnehmer:

BestandteilWertebereichBedeutung
B (Bereich)1–15In welchem Bereich befindet sich das Gerät?
L (Linie)0–15An welcher Linie hängt es? (0 = Bereichslinie)
T (Teilnehmer)0–255Welche Nummer innerhalb der Linie?

Ein Gerät mit der Adresse 1.2.15 befindet sich in Bereich 1, Linie 2 und ist der 15. Teilnehmer dieser Linie. Die Adresse 1.0.0 gehört dem Linienkoppler, der Bereich 1 mit dem Backbone verbindet. Die Adresse 1.2.0 gehört dem Linienkoppler, der Linie 2 mit der Bereichslinie von Bereich 1 verbindet.

Diese Systematik hat einen enormen praktischen Vorteil: Allein anhand der physikalischen Adresse kann ein Techniker sofort erkennen, wo sich ein Gerät in der Anlage befindet. Bei der Fehlersuche in großen Anlagen spart das Stunden.

Programmierung der physikalischen Adressen

Die physikalische Adresse wird über die ETS-Software (Engineering Tool Software) vergeben — das Standardwerkzeug für die KNX-Programmierung. Beim sogenannten Programmiervorgang drückt der Techniker die Programmiertaste am Gerät (eine kleine Taste, die die rote Programmier-LED aktiviert), und die ETS schreibt die zugewiesene Adresse ins Gerät.

Dieser Vorgang ist bei der Erstinbetriebnahme zwingend erforderlich und bei jeder Rekonstruktion einer Bestandsanlage der erste Schritt: Zunächst muss geklärt werden, welches Gerät welche Adresse hat, bevor die Applikationsprogramme geladen werden können.

Gruppenadressen — die Kommunikation zwischen Geräten

Während physikalische Adressen den Standort eines Geräts in der Topologie beschreiben, steuern Gruppenadressen die eigentliche Funktion. Sie definieren, welcher Sensor welchen Aktor anspricht — unabhängig davon, auf welcher Linie oder in welchem Bereich die Geräte sitzen.

Gruppenadressen folgen typischerweise einer dreistufigen Struktur: Hauptgruppe/Mittelgruppe/Untergruppe. Eine bewährte Konvention ist:

EbeneBeispielBedeutung
Hauptgruppe1/x/xGewerk (z. B. 1 = Beleuchtung, 2 = Jalousie, 3 = Heizung)
Mittelgruppe1/1/xRaum oder Zone (z. B. 1/1 = EG Flur, 1/2 = EG Küche)
Untergruppe1/1/1Funktion (z. B. 1/1/1 = Schalten, 1/1/2 = Dimmen, 1/1/3 = Status)

Die Gruppenadresse 1/2/1 könnte also bedeuten: Beleuchtung (1) in der Küche (2), Schaltfunktion (1). Der zugehörige Tastsensor sendet bei Betätigung ein Telegramm an diese Adresse, und alle Aktoren, die diese Gruppenadresse empfangen, reagieren — in diesem Fall schaltet der Dimmaktor in der Küche das Licht ein.

Der entscheidende Punkt: Gruppenadressen sind völlig unabhängig von der physikalischen Topologie. Ein Sensor in Bereich 1, Linie 3 kann problemlos einen Aktor in Bereich 2, Linie 1 schalten — die Koppler leiten das Telegramm automatisch weiter, sofern die Filtertabellen korrekt konfiguriert sind.

Linienkoppler und Bereichskoppler im Detail

Koppler sind die Knotenpunkte der KNX-Topologie. Sie verbinden Linien mit Bereichen und Bereiche mit dem Backbone. Ihre Funktion geht weit über die reine Verbindung hinaus:

Galvanische Trennung: Jeder Koppler trennt die Spannungsversorgung der beiden verbundenen Segmente. Das bedeutet: Ein Kurzschluss auf Linie 3 legt nicht das gesamte System lahm, sondern nur diese eine Linie. Alle anderen Linien arbeiten ungestört weiter. Diese Eigenschaft ist ein wesentlicher Faktor für die legendäre Ausfallsicherheit von KNX.

Telegrammfilterung: Koppler leiten nur die Telegramme weiter, die tatsächlich auf der anderen Seite benötigt werden. Die ETS berechnet die Filtertabellen automatisch anhand der konfigurierten Gruppenadressen. In der Praxis reduziert dieser Mechanismus den übergreifenden Telegrammverkehr um 70–90 %. Das ist besonders in größeren Anlagen mit hunderten von Geräten kritisch für die Systemperformance.

Telegramm-Wiederholung: Wenn ein Telegramm auf der Zielseite nicht bestätigt wird (jedes KNX-Gerät sendet eine Bestätigung), wiederholt der Koppler die Übertragung bis zu dreimal. Dieser Mechanismus stellt sicher, dass keine Schaltbefehle verloren gehen — selbst bei temporären Busstörungen.

Koppler als IP-Router

Moderne KNX/IP-Router vereinen die Funktion eines Linienkopplers mit einer IP-Schnittstelle. Sie verbinden die KNX-TP-Linie mit dem Ethernet-Netzwerk und ermöglichen:

  • Fernzugriff auf die KNX-Installation über die ETS
  • Fernwartung ohne physische Anwesenheit
  • Integration in Visualisierungssysteme (Gira HomeServer, Basalte, Divus, Loxone)
  • Anbindung an Smart-Home-Plattformen wie Home Assistant oder ioBroker

Bei IP-Backbones kommunizieren die IP-Router über KNXnet/IP Routing via Multicast. Das Ethernet ersetzt dabei die physikalische Backbone-Linie. Der Vorteil ist offensichtlich: keine Längenbegrenzung, deutlich höhere Bandbreite und die Möglichkeit, KNX-Segmente über verschiedene Stockwerke oder sogar Gebäude zu verbinden.

Topologie-Planung für verschiedene Gebäudetypen

Die richtige Topologie hängt stark vom Gebäudetyp ab. Hier die bewährten Ansätze aus der Praxis:

Einfamilienhaus

Ein typisches Einfamilienhaus mit KNX kommt mit 1 Bereich und 1–3 Linien aus:

  • Kleine Installation (bis 30 Geräte): Eine einzige Linie reicht. Alle Aktoren und Sensoren hängen an einem Bus, ein Netzteil versorgt alles. Einfach, übersichtlich, kostengünstig.
  • Mittlere Installation (30–80 Geräte): Zwei Linien — z. B. eine für EG/KG und eine für OG/DG. Oder: eine für Beleuchtung/Jalousien und eine für Heizung/Sicherheit.
  • Große Installation (80+ Geräte): Drei Linien, oft geschossweise aufgeteilt. Ein Linienkoppler pro Linie sorgt für galvanische Trennung und Telegrammfilterung.

Bei der Planung eines KNX-Neubaus ist es ratsam, die Topologie von Anfang an mit Erweiterungsreserve zu planen. Eine zusätzliche Linie nachzurüsten ist technisch möglich, aber mit Aufwand verbunden — neue Kabel, neues Netzteil, Linienkoppler.

Mehrfamilienhaus

Im Mehrfamilienhaus empfiehlt sich eine Linie pro Wohneinheit. Die Gemeinschaftsflächen (Treppenhaus, Tiefgarage, Technikraum) bilden eine eigene Linie. Alle Linien werden über einen Bereich zusammengefasst.

Der Vorteil dieser Aufteilung: Jede Wohnung ist elektrisch getrennt. Ein Kurzschluss in Wohnung 3 betrifft nur Wohnung 3. Die Programmierung kann wohnungsweise erfolgen, was bei Mieterwechseln die Anpassung vereinfacht.

Bürogebäude und Gewerbe

In der Gebäudeautomation für Bürogebäude wird die Topologie typischerweise geschossweise organisiert: ein Bereich pro Stockwerk, innerhalb jedes Bereichs Linien nach Gewerken (Beleuchtung, HLK, Sonnenschutz, Sicherheit).

Für Gebäude mit mehr als 3–4 Stockwerken ist ein IP-Backbone Standard. Die Vorteile überwiegen die Mehrkosten bei weitem: schnellere Programmierung über die ETS, einfachere Fernwartung, bessere Skalierbarkeit.

In Hotels sieht die Topologie oft anders aus: eine Linie pro Zimmergruppe (z. B. 8–12 Zimmer), da die Funktionsdichte pro Raum hoch ist (Licht, Jalousie, Heizung, Kartenschalter, Minibar-Kontakt).

Industriegebäude

In der industriellen Gebäudeautomation gelten besondere Anforderungen. Die Topologie muss berücksichtigen:

  • Elektrische Störeinflüsse: In der Nähe von Frequenzumrichtern, Schweißanlagen oder großen Motoren kann das KNX-Signal gestört werden. Eigene Linien für gestörte Bereiche isolieren das Problem.
  • Gebäudegröße: Produktionshallen von 10.000+ m² erfordern oft mehrere Bereiche allein wegen der Kabellängen.
  • Redundanz: Kritische Funktionen (Notbeleuchtung, Lüftung) sollten auf separaten Linien laufen, damit ein Ausfall der Komfort-Linie die Sicherheitsfunktionen nicht beeinträchtigt.

Spannungsversorgung und Kabelplanung

Die Spannungsversorgung ist ein häufig unterschätzter Aspekt der Topologie-Planung. Jede Linie benötigt eine eigene KNX-Spannungsversorgung mit Drossel. Die gängigen Netzteile liefern 29 V DC bei 320 mA, 640 mA oder 1.280 mA.

Dimensionierung der Spannungsversorgung

Jedes KNX-Gerät entnimmt dem Bus einen Strom von typischerweise 5–12 mA. Bei 40 Geräten auf einer Linie ergibt sich ein Gesamtstrom von 200–480 mA. Die Dimensionierung erfolgt nach einer einfachen Regel:

NetzteilMax. Geräte (Richtwert)Typischer Einsatz
320 mAbis 32Kleine Linien, Bereichslinien
640 mAbis 64Standard für Wohnbau und kleine Gewerbelinien
1.280 mAbis 64 (mit Reserve)Linien mit stromhungrigen Geräten (Touch-Panels, IP-Router)

Praxis-Tipp: Planen Sie immer mit mindestens 20 % Reserve. Geräte im Programmiervorgang oder beim Neustart ziehen kurzfristig mehr Strom. Ohne Reserve kann es zu Spannungseinbrüchen und instabilem Busverhalten kommen.

Kabelverlegung und Topologie-Regeln

Die Verlegung des KNX-Kabels folgt einer freien Topologie — das bedeutet: Stern, Baum, Linie oder eine Kombination daraus. Eine Ringverkabelung (geschlossene Schleife) ist nicht zulässig, da sie zu Telegrammreflexionen führt.

Die wichtigsten Kabelregeln im Überblick:

  • Maximale Linienlänge: 1.000 m Gesamtkabellänge pro Linie
  • Netzteil–Gerät: maximal 350 m zwischen Netzteil und entferntestem Gerät
  • Gerät–Gerät: maximal 700 m zwischen zwei beliebigen Geräten einer Linie
  • Kein Ring: Niemals beide Enden eines Kabels verbinden
  • Verlegung: KNX-Kabel darf im selben Kanal wie 230-V-Leitungen verlegt werden (Schutzkleinspannung SELV, aber KNX-Standard empfiehlt getrennte Führung für EMV-Sicherheit)

Bei einer Nachrüstung im Altbau werden diese Regeln oft zur Herausforderung. Hier kommen dann alternative Übertragungsmedien ins Spiel: KNX RF (Funk) für einzelne Sensoren oder KNX IP über vorhandene Netzwerkverkabelung.

Erweiterte Topologie mit Linienverstärkern

Wenn 64 Geräte auf einer Linie nicht ausreichen, können bis zu drei Linienverstärker (auch Repeater genannt) eingesetzt werden. Jeder Linienverstärker eröffnet ein neues Segment mit eigenem Netzteil und Platz für weitere 64 Geräte — bei gleicher logischer Linie und gleichen physikalischen Adressen.

Mit drei Linienverstärkern können auf einer einzigen Linie also bis zu 256 Geräte betrieben werden (4 Segmente × 64). In der Praxis ist das selten nötig — wenn eine Linie so viele Geräte benötigt, ist eine Aufteilung in mehrere Linien mit Linienkoppler meist die bessere Wahl, weil sie bessere Fehlereingrenzung bietet.

Wichtig: Linienverstärker bieten keine galvanische Trennung und keine Telegrammfilterung. Sie verlängern die Linie physisch, aber nicht logisch. Wer galvanische Trennung braucht, muss einen Linienkoppler verwenden — auch wenn er keine echte zweite Linie benötigt.

KNX Secure und die Auswirkungen auf die Topologie

Mit der Einführung von KNX Secure hat die KNX Association zwei Sicherheitsmechanismen definiert, die direkte Auswirkungen auf die Topologie-Planung haben:

KNX IP Secure verschlüsselt die Kommunikation auf IP-Ebene. Das betrifft vor allem IP-Backbones und den Fernzugriff. Alle KNX/IP-Router und IP-Interfaces müssen KNX IP Secure unterstützen, wenn die Installation abgesichert werden soll.

KNX Data Secure verschlüsselt einzelne Telegramme auf TP-Ebene. Das bedeutet: Auch auf dem Bus selbst ist die Kommunikation vor Abhören und Manipulation geschützt. Data Secure erfordert kompatible Geräte — nicht alle Hersteller unterstützen es bereits in allen Produktlinien.

Für die Topologie-Planung bedeutet KNX Secure:

  • IP-Backbone mit KNX IP Secure ist dringend empfohlen, sobald das KNX-System über das Gebäudenetzwerk erreichbar ist
  • Bei sicherheitskritischen Funktionen (Zutrittskontrolle, Alarmanlage) sollte KNX Data Secure auf den betroffenen Linien aktiviert werden
  • Die ETS-Projektdatei muss geschützt werden — sie enthält alle Schlüssel und Adressen

Topologie-Dokumentation und Nachvollziehbarkeit

Eine sauber dokumentierte Topologie ist Gold wert — spätestens dann, wenn ein anderer Techniker die Anlage warten oder erweitern muss. Die KNX-Topologie sollte in drei Dokumenten festgehalten werden:

1. Topologie-Plan: Eine grafische Darstellung aller Linien, Bereiche und Koppler mit ihren physikalischen Adressen. Die ETS erstellt diesen automatisch, aber ein bereinigter, beschrifteter Plan auf Papier oder als PDF ist für den Schaltschrank unverzichtbar.

2. Geräteliste: Jedes Gerät mit physikalischer Adresse, Einbauort, Hersteller, Artikelnummer und Firmwareversion. Bei der Wartung spart diese Liste Stunden.

3. Gruppenadress-Tabelle: Alle Gruppenadressen mit Beschreibung, verknüpften Geräten und Datenpunkttypen. Bei einer Rekonstruktion ist diese Tabelle der Schlüssel zum Verständnis der Anlage.

Ein erfahrener KNX Systemintegrator erstellt diese Dokumentation nicht erst am Ende, sondern pflegt sie während der gesamten Projektphase. Die Investition in gute Dokumentation rechnet sich bei der ersten Störung oder Erweiterung.

Häufige Fehler bei der Topologie-Planung

Aus der Praxis als KNX Systemintegrator in München kenne ich die typischen Fehler, die bei der Topologie-Planung gemacht werden:

Fehler 1: Zu viele Geräte auf einer Linie. Wer 60+ Geräte auf eine Linie packt, hat keinen Puffer für Erweiterungen und riskiert Buslast-Probleme. Besser: maximal 40–50 Geräte und von Anfang an eine zweite Linie einplanen.

Fehler 2: Kein Linienkoppler im Einfamilienhaus. Auch wenn es technisch funktioniert: Ohne Linienkoppler gibt es keine galvanische Trennung. Ein Kurzschluss auf dem Bus legt die gesamte Installation lahm. Ab 30 Geräten lohnt sich der Linienkoppler allein für die Ausfallsicherheit.

Fehler 3: Gruppenadressen ohne System. Wer Gruppenadressen frei vergibt, ohne ein konsistentes Benennungsschema, verliert bei Anlagen mit mehr als 50 Gruppenadressen den Überblick. Die dreistufige Struktur (Gewerk/Raum/Funktion) hat sich bewährt und sollte von Anfang an eingehalten werden.

Fehler 4: Keine Reserve eingeplant. KNX-Installationen wachsen. Der Bauherr, der heute sagt „mehr brauche ich nicht", möchte in drei Jahren eine Multiroom-Audioanlage oder eine Wetterstation nachrüsten. Reservekapazität auf Bus und Netzteil einzuplanen kostet wenig und spart später viel.

Fehler 5: IP-Backbone mit Consumer-Switch. KNX/IP Routing verwendet Multicast-Pakete. Billige Consumer-Switches fluten Multicast an alle Ports, was das Netzwerk belastet. Managed Switches mit IGMP-Snooping sind Pflicht für IP-Backbones.

Topologie und die Kosten

Die Topologie-Entscheidungen haben direkte Auswirkungen auf die Kosten eines KNX-Projekts:

  • Jede zusätzliche Linie erfordert ein Netzteil (~250–400 €), eine Drossel (meist integriert) und ggf. einen Linienkoppler (~300–500 €).
  • Jeder Bereich benötigt einen Bereichskoppler (~300–500 €) und ein Netzteil für die Bereichslinie.
  • IP-Router kosten mehr als einfache Linienkoppler (~500–800 €), bieten aber den Mehrwert des Fernzugriffs und der Netzwerkanbindung.

In einem typischen Einfamilienhaus mit einer Linie fallen für die Topologie-Infrastruktur (Netzteil + IP-Interface) rund 500–700 € an. Bei einem Bürogebäude mit 5 Bereichen und IP-Backbone können es 5.000–10.000 € sein — ein Bruchteil der Gesamtkosten, der aber über die Zukunftsfähigkeit der Installation entscheidet.

Es lohnt sich, bei der Topologie nicht am falschen Ende zu sparen. Ein nachträglicher Umbau der Topologie — etwa weil eine Linie überlastet ist — bedeutet: neue Kabel ziehen, Schaltschrank umbauen, alle Geräte neu adressieren und programmieren. Das ist ein Vielfaches der Initialkosten.

Zusammenfassung: Die wichtigsten Topologie-Regeln

RegelWert
Max. Geräte pro Linie64 (empfohlen: 40–50)
Max. Linien pro Bereich15
Max. Bereiche15
Max. Linienlänge1.000 m
Max. Abstand Netzteil–Gerät350 m
Max. Abstand Gerät–Gerät700 m
RingverkabelungNicht erlaubt
Max. Linienverstärker3 pro Linie
Physikalische AdresseB.L.T (Bereich.Linie.Teilnehmer)

Häufig gestellte Fragen

Brauche ich für ein Einfamilienhaus mehrere Linien?

Bei weniger als 30 Geräten reicht eine Linie. Ab 30 Geräten empfehle ich als KNX Systemintegrator mindestens zwei Linien — nicht wegen der Kapazität, sondern wegen der Ausfallsicherheit durch galvanische Trennung.

Was passiert, wenn ein Linienkoppler ausfällt?

Die Geräte innerhalb der betroffenen Linie arbeiten weiter — sie kommunizieren nur noch untereinander, nicht mehr mit anderen Linien. Ein Aktor, der einen Schalter auf derselben Linie hat, funktioniert also weiterhin. Nur die linienübergreifende Kommunikation fällt aus.

Kann ich die Topologie nachträglich ändern?

Technisch ja, praktisch aufwändig. Geräte auf andere Linien umzuziehen erfordert neue Verkabelung und Neuprogrammierung der physikalischen Adressen. Die Gruppenadressen bleiben gleich, aber die Filtertabellen der Koppler müssen aktualisiert werden. Deshalb: Topologie von Anfang an richtig planen.

Was kostet ein Linienkoppler?

Ein Linienkoppler kostet zwischen 300 und 500 €, je nach Hersteller und Funktionsumfang. KNX/IP-Router liegen bei 500–800 €. Die Investition lohnt sich bei jeder Installation mit mehr als einer Linie — allein wegen der galvanischen Trennung.

TP oder IP — welchen Backbone soll ich wählen?

Für Einfamilienhäuser und kleine Gewerbebauten reicht ein TP-Backbone. Ab 3–4 Stockwerken oder bei verteilten Gebäudekomplexen ist ein IP-Backbone die bessere Wahl. Die Zukunft gehört IP — neue Installationen sollten mindestens das IP-Interface für die Fernwartung einplanen.


Sven Felber — Ihr KNX Systemintegrator in München

Sie planen ein KNX-Projekt und wollen sicherstellen, dass die Topologie von Anfang an stimmt? Sven Felber berät Sie persönlich — von der Planung bis zur Inbetriebnahme.

Beratung anfragen

KNX Programmierung — Sven Felber

Technische Fragen? Sven berät Sie persönlich zu Ihrer KNX-Anlage.

Mehr erfahren →

War dieser Artikel hilfreich?