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KNX Elektroplanung

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Aktualisiert: 12.5.2026
Inhaltsverzeichnis (30)

Wo Elektroplanung auf KNX trifft

Konventionelle Elektroplanung und KNX-Planung sprechen verschiedene Sprachen. Der Elektroplaner denkt in Stromkreisen, Absicherungen und Querschnitten. Der KNX-Planer denkt in Funktionen, Gruppenadressen und Buslinien. Beide müssen am Ende im selben Schaltschrank zusammenfinden — und genau da entstehen die Probleme, wenn keiner mit dem anderen redet.

Dieser Artikel erklärt, worauf es bei der Elektroplanung speziell für KNX-Projekte ankommt: Welche Leitungen brauchen Sie? Wie groß muss der Schaltschrank sein? Was unterscheidet einen KNX-Verteiler von einer konventionellen Unterverteilung? Und vor allem: Wie koordinieren Sie Elektriker und KNX-Integrator, damit am Ende alles passt?

Das KNX-Buskabel — J-Y(St)Y 2×2×0,8

Das Standardkabel für KNX-Installationen heißt J-Y(St)Y 2×2×0,8 mm². Es ist ein geschirmtes Fernmeldekabel mit zwei verdrillten Aderpaaren:

  • Rot + Schwarz: Buslinie (Daten + Spannungsversorgung der Busteilnehmer)
  • Gelb + Weiß: Reserveaderpaar (für Zusatzspannung oder zweite Linie)
  • Schirm: Wird einseitig auf die Potenzialausgleichsschiene aufgelegt

Technische Daten

EigenschaftWert
Außendurchmesserca. 5,6 mm
Aderquerschnitt0,8 mm (≈ 0,5 mm²)
Max. Leitungslänge pro Linie1.000 m (Summe aller Segmente)
Max. Entfernung Spannungsversorgung ↔ Teilnehmer350 m
Max. Entfernung Teilnehmer ↔ Teilnehmer700 m
VerlegeartUnterputz (Rohr), Aufputz (Kanal), im Schaltschrank
BrandklasseEca (Standard), Dca-s2,d2,a2 (halogenfrei, für öffentliche Gebäude)

Wichtig: Das Buskabel ist kein Stromkabel. Es darf nicht im selben Rohr wie 230V-Leitungen verlegt werden (Mindestabstand 4 mm bei getrennter Verlegung, oder eigenes Leerrohr). Das ist keine Empfehlung, sondern Vorschrift nach DIN VDE 0100-520.

Verlegung in der Praxis

Die Busleitung wird vom Schaltschrank sternförmig oder als Linie zu den Teilnehmern geführt. Beide Topologien sind erlaubt — KNX ist flexibel:

  • Stern: Jeder Teilnehmer bekommt ein eigenes Kabel vom Schaltschrank. Einfach zu planen, maximale Flexibilität. Nachteil: viel Kabel.
  • Linie: Das Kabel geht von Teilnehmer zu Teilnehmer (Reihenschaltung). Weniger Kabel, aber schwieriger bei Fehlersuche.
  • Baum: Mischform — das Kabel darf sich an jedem Punkt verzweigen. Die häufigste Variante in der Praxis.

Was nicht erlaubt ist: ein geschlossener Ring. Die Busleitung darf nie einen Kreis bilden — das führt zu Reflexionen und Kommunikationsstörungen. Details zur erlaubten Verdrahtung erklärt der Artikel KNX Topologie.

Schaltschrankdimensionierung — Größe richtig berechnen

Der häufigste Fehler bei der KNX-Elektroplanung: Der Schaltschrank ist zu klein. Konventionelle Verteiler brauchen ein paar Sicherungsautomaten und einen FI-Schutzschalter. KNX-Verteiler brauchen zusätzlich: Spannungsversorgung, Aktoren (jeweils 4–12 Reiheneinbaueinheiten breit), IP-Gateway, eventuell Logikmodule und Koppler.

Reiheneinheiten (RE) berechnen

GerätTypische Breite (RE)Anzahl (EFH Komfort)Summe RE
Spannungsversorgung 640 mA414
USB-Schnittstelle212
IP-Gateway212
Schaltaktor 12-fach62–312–18
Dimmaktor 4-fach41–24–8
Jalousieaktor 8-fach414
Heizungsaktor 6-fach41–24–8
Logikmodul20–10–2
Binäreingang 8-fach40–10–4
KNX-Geräte gesamt32–52
Sicherungsautomaten1 pro Stück20–3020–30
FI-Schutzschalter2–44–68–24
Gesamt60–106

Ein Einfamilienhaus mit Komfortausstattung braucht also 60–106 RE — das sind 5–9 Reihen (à 12 RE). Dazu kommen 50 % Reserve: 8–14 Reihen. Das ist ein Schaltschrank in Größe 5–7 Reihen (Unterputz) oder ein Standschrank.

Faustregel

Nehmen Sie den Schaltschrank, den Sie für ausreichend halten — und nehmen Sie den nächstgrößeren.

Ein zu kleiner Schaltschrank lässt sich nicht erweitern, ohne die Wand aufzustemmen. Ein zu großer Schaltschrank hat etwas Platz verschwendet. Die Kosten für das größere Gehäuse sind marginal im Vergleich zu den Kosten einer späteren Erweiterung.

230V-Leitungen und Busleitungen koordinieren

In einem KNX-System laufen zwei völlig getrennte Netze parallel: das 230V-Stromnetz und das KNX-Busnetz. Beide müssen geplant und verlegt werden — aber sie dürfen sich nicht in die Quere kommen.

Trennungsregeln

  • KNX-Buskabel und 230V-Leitungen dürfen nicht im selben Installationsrohr verlegt werden
  • Bei paralleler Verlegung in der Wand: Mindestabstand 4 mm (inkl. Isolierung)
  • Im Schaltschrank: Bus auf eigener Klemmenleiste, getrennt von Starkstrom
  • Kreuzungen sind erlaubt (kurze Strecke, 90° Winkel)

Der Grund ist nicht nur Vorschrift, sondern Physik: 230V-Leitungen erzeugen elektromagnetische Felder, die das schwache Bussignal (29 V DC) stören können. In der Praxis passiert das selten bei einzelnen Kreuzungen — aber bei paralleler Verlegung über mehrere Meter entstehen Kommunikationsfehler, die extrem schwer zu finden sind.

Hutschiene und Schaltschrankaufbau

Der Schaltschrankaufbau folgt einer klaren Logik — von oben nach unten:

Empfohlener Aufbau

  1. Reihe 1: Hauptschalter, SLS (Selektiver Leitungsschutzschalter), Überspannungsschutz
  2. Reihe 2–3: FI-Schutzschalter + zugehörige Sicherungsautomaten (nach Stromkreisen gruppiert)
  3. Reihe 4: KNX-Spannungsversorgung, IP-Gateway, USB-Schnittstelle, Logikmodul
  4. Reihe 5–7: KNX-Schaltaktoren, Dimmaktoren, Jalousieaktoren
  5. Reihe 8: KNX-Heizungsaktoren
  6. Reihe 9: Reserve

Die KNX-Geräte sitzen unterhalb der Sicherungstechnik, weil ihre 230V-Eingänge von den darüberliegenden Sicherungsautomaten kommen. Kurze Wege = weniger Kabelsalat = bessere Wartbarkeit.

Verdrahtung im Schaltschrank

  • Busleitungen: Grünes KNX-Buskabel von der Spannungsversorgung zu allen Aktoren auf der Hutschiene. Saubere Führung in eigener Kabelrinne oder mit Kabelkanal auf der Montageplatte.
  • 230V-Eingänge: Von Sicherungsautomat zum Eingang des jeweiligen Aktors.
  • 230V-Ausgänge: Vom Aktor-Ausgang zur Abzweigdose / zum Verbraucher.
  • Beschriftung: Jeder Aktor-Kanal bekommt ein Etikett (z.B. „K1: Licht Wohnzimmer Decke"). Das ist keine Option, das ist Pflicht — für die Wartung und für die Fehlersuche.

Unterverteilungen und Etagenverteiler

Bei größeren Gebäuden oder wenn der Weg vom zentralen Schaltschrank zu den Verbrauchern zu lang wird, kommen Unterverteilungen ins Spiel. Jede Etage oder jeder Gebäudeflügel bekommt einen eigenen kleineren Verteiler.

Wann Unterverteilungen sinnvoll sind

  • Mehr als 2 Etagen
  • 230V-Leitungslängen über 30 m (Spannungsfall)
  • Anbauten oder Nebengebäude (Garage, Gartenhaus)
  • Mehr als 80 KNX-Geräte (Linie wird unübersichtlich)

Jede Unterverteilung braucht eine eigene KNX-Spannungsversorgung, wenn sie auf einer separaten KNX-Linie läuft. Die Linien werden über Linienkoppler miteinander verbunden — das begrenzt die Buslast und verbessert die Performance.

Spannungsversorgung dimensionieren

SpannungsversorgungStromMax. Teilnehmer (typisch)Einsatzbereich
320 mA320 mA32Kleine Unterverteilung, einzelne Linie
640 mA640 mA64Standard Einfamilienhaus, eine Linie
1.280 mA1.280 mA128Große Installation, Villa, Gewerbe

Die Faustregel „10 mA pro Busteilnehmer" gilt als Planungswert. In der Praxis verbrauchen die meisten KNX-Geräte 5–12 mA. Sensorbasierte Geräte (Präsenzmelder, Wetterstation) verbrauchen mehr als einfache Aktoren.

Leerrohr-Planung — die vergessene Disziplin

Leerrohre sind die Lebensversicherung jeder KNX-Installation. Sie ermöglichen:

  • Nachträgliches Einziehen von Busleitungen
  • Austausch defekter Kabel ohne Wandaufbruch
  • Spätere Erweiterungen (zusätzliche Taster, Sensoren, Kameras)

Leerrohr-Checkliste

VonNachDurchmesserGrund
SchaltschrankJeder Raum mit KNX-TasterM20 (min.)Busleitung + ggf. Zusatzleitung
SchaltschrankHeizungsverteiler (jede Etage)M25Mehrere Stellantriebe, ggf. mehrere Kabel
EGOG (Steigschacht)M32–M40Buskabel + Reserveleitungen + Netzwerk
SchaltschrankDachboden / DachM25Wetterstation, PV-Überwachung
HausGarageM32Tor, Wallbox, Beleuchtung
HausGarten / TerrasseM25Außenlicht, Bewässerung
HausAußenwand (Eingang)M20Türsprechanlage, Außentaster

Kosten im Rohbau: Ein Leerrohr M20 kostet ca. 0,50–1,00 €/m Material. Die Verlegung durch den Elektriker im Rohbau: 5–10 Minuten pro Strecke. Nachträglich: 80–200 € pro Strecke (Schlitzen, Verputzen, Streichen). Der Unterschied ist Faktor 20–50.

Blitzschutz und Überspannungsschutz

KNX-Busleitungen sind empfindlich gegenüber Überspannungen — besonders wenn sie ins Freie geführt werden (Wetterstation, Außenbeleuchtung). Überspannungsschutz ist Pflicht, wenn:

  • Busleitungen länger als 50 m außerhalb des Gebäudes verlaufen
  • Das Gebäude keinen äußeren Blitzschutz hat
  • KNX-Geräte in Außenbereichen montiert sind

Schutzkonzept

SchutzstufeMaßnahmePosition
Grobschutz (Typ 1+2)Kombiableiter am HausanschlussHauptverteilung
Feinschutz Bus (Typ 3)KNX-ÜberspannungsableiterAn der Busleitung, vor dem Übergang ins Freie
SchirmungBuskabel-Schirm einseitig auf PEAm Schaltschrank

KNX-Überspannungsableiter kosten ca. 30–50 € pro Stück und brauchen 2 RE auf der Hutschiene. Verglichen mit dem Schaden, den ein Blitzeinschlag an einer ungeschützten Busanlage anrichtet (alle Aktoren und Sensoren auf der betroffenen Linie), ist das eine sinnvolle Investition.

Relevante Normen und Vorschriften

NormInhaltKNX-Relevanz
DIN VDE 0100-520Kabelverlegung, MindestabständeTrennung Bus / 230V
DIN VDE 0100-443ÜberspannungsschutzAbleiter für Busleitungen
DIN 18015-2Elektrische Anlagen in WohngebäudenSchaltschrankdimensionierung, Ausstattungswerte
DIN EN 50090KNX-Standard (HBES)Businstallation, Verdrahtung, Inbetriebnahme
RAL-RG 678Elektrische Anlagen in Wohngebäuden (Ausstattungswerte 1–3)Mindestausstattung, Empfehlung: Wert 3 für KNX

Die DIN 18015-2 Ausstattungswert 3 (Plus-Ausstattung) ist die Empfehlung für KNX-taugliche Neubauten: mehr Stromkreise, mehr Steckdosen, größere Verteiler. Die Mehrkosten gegenüber Wert 1 liegen bei 3.000–5.000 € — gut investiert, wenn KNX geplant ist.

Koordination: Elektriker und KNX-Integrator

Die häufigste Ursache für Probleme auf der Baustelle: Elektriker und KNX-Integrator arbeiten aneinander vorbei. Der Elektriker plant konventionelle Schalter, der Integrator plant KNX-Taster — am Ende passen die Einbaudosen nicht.

Koordinations-Checkliste

  • ☐ Gemeinsames Planungsgespräch vor der Bestellung (Integrator + Elektriker + Bauherr)
  • ☐ KNX-Funktionsliste liegt dem Elektriker vor
  • ☐ Schaltschrankgröße ist abgestimmt (KNX-Bereich + konventioneller Bereich)
  • ☐ Taster-Typ ist definiert (rund, eckig, Rahmen, Einbautiefe → beeinflusst Dosenwahl)
  • ☐ Busleitungsplan liegt vor (welches Kabel wohin)
  • ☐ 230V- und Busleitungen sind getrennt geplant
  • ☐ Leerrohr-Plan ist abgestimmt
  • ☐ Zeitplan: Wann muss was liegen? (Rohbau-Termine für Busleitungen)

Ideal ist ein KNX Systemintegrator, der auch die Elektroplanung versteht. Er erstellt ein kombiniertes Planungsdokument, das beide Gewerke abdeckt — und übernimmt die Koordination auf der Baustelle.

Häufige Fragen zur KNX-Elektroplanung

Kann mein Elektriker auch KNX installieren?

Die Kabelverlegung und den Schaltschrankaufbau kann jeder qualifizierte Elektriker übernehmen — dafür braucht es keine KNX-Zertifizierung. Die Programmierung hingegen erfordert ETS-Kenntnisse und KNX-Erfahrung. In der Praxis verlegt der Elektriker die Leitungen, und der KNX Systemintegrator programmiert und nimmt in Betrieb.

Brauche ich für KNX spezielle Einbaudosen?

Die meisten KNX-Taster passen in Standard-Unterputzdosen (Ø 68 mm, Tiefe 46 mm). Ausnahme: manche Smart-Taster (MDT Glastaster II Smart, Basalte Sentido) brauchen tiefere Dosen (60 mm). Das steht im Datenblatt des Tasters — vor der Verlegung prüfen.

Wie viele Stromkreise braucht ein KNX-Haus?

Mehr als ein konventionelles Haus — weil jeder KNX-gesteuerte Verbraucher einen eigenen Stromkreis braucht. Ein Licht, das dimm- und schaltbar sein soll, braucht einen eigenen Aktor-Kanal und damit einen eigenen Stromkreis. Faustregel: 1,5× so viele Stromkreise wie konventionell.

Was kostet die Elektroplanung für ein KNX-Projekt?

Die reine Elektroplanung (ohne KNX-Planung) kostet für ein Einfamilienhaus 1.000–2.500 €. Wenn der KNX-Integrator die Koordination übernimmt, entstehen Zusatzkosten von 500–1.500 € für die Abstimmung. Details zu allen Kostenblöcken finden Sie unter KNX Budget richtig kalkulieren.

Reicht ein normaler Elektriker oder brauche ich einen Planungsingenieur?

Für ein Einfamilienhaus reicht ein erfahrener Elektriker in Kombination mit einem KNX Systemintegrator. Ab Villen-Größe oder im Gewerbebau empfiehlt sich ein Elektro-Planungsbüro, das mit KNX-Projekten Erfahrung hat. Der Integrator sollte in beiden Fällen die KNX-spezifische Planung übernehmen.

Fazit

Elektroplanung für KNX ist keine Raketenwissenschaft — aber sie ist anders als konventionelle Elektroplanung. Größere Schaltschränke, getrennte Leitungsführung, mehr Leerrohre, zusätzliche Stromkreise. Wer diese Unterschiede von Anfang an berücksichtigt, baut ein System, das 20+ Jahre zuverlässig funktioniert. Wer sie ignoriert, rüstet teuer nach — oder lebt mit Kompromissen.

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