Die schwierigste Frage: Was kostet KNX?
„Was kostet KNX für ein Einfamilienhaus?" Diese Frage bekommt jeder KNX Systemintegrator täglich gestellt — und die ehrliche Antwort ist: Es kommt darauf an. Nicht weil Integratoren ungern Preise nennen, sondern weil die Bandbreite enorm ist. Ein minimales KNX-System (nur Licht schalten) kostet 5.000 €. Ein voll ausgestattetes Smart Home (Licht, Jalousie, Heizung, Multimedia, Sicherheit, Visualisierung) kostet 40.000 € oder mehr.
Die Frage „Was kostet KNX?" ist also ähnlich hilfreich wie „Was kostet ein Auto?". Die richtige Frage lautet: Was kostet KNX für MEIN Projekt — mit meinen konkreten Anforderungen, in meinem Haus, mit meinem Budget?
Dieser Artikel gibt Ihnen die Werkzeuge, um diese Frage selbst zu beantworten. Mit konkreten Preisen pro Funktion, einer realistischen Gewerk-Aufteilung und Strategien, wo Sie sparen können — und wo besser nicht.
Der Kosten-pro-Funktion-Ansatz
Die zuverlässigste Methode zur KNX-Budgetierung basiert auf der Funktionsliste: Jede Funktion hat einen ungefähren Preis, und die Summe aller Funktionen ergibt das Budget.
Preise pro Funktion (Stand 2025, inkl. Material + Programmierung)
| Funktion | Kosten ca. | Was enthalten ist |
|---|---|---|
| Licht schalten (1 Kreis) | 120–180 € | Anteil Schaltaktor + Anteil Taster + Programmierung |
| Licht dimmen (1 Kreis) | 180–280 € | Anteil Dimmaktor + Anteil Taster + Programmierung |
| Jalousie steuern (1 Antrieb) | 150–250 € | Anteil Jalousieaktor + Anteil Taster + Programmierung |
| Heizung Einzelraum (1 Raum) | 200–350 € | Raumthermostat + Anteil Heizungsaktor + Stellantrieb + Programmierung |
| Steckdose schaltbar (1 Dose) | 100–150 € | Anteil Schaltaktor + Programmierung |
| Präsenzmelder (1 Stück) | 180–350 € | Melder + Programmierung (Wert abhängig von Funktionsumfang) |
| Wetterstation | 400–800 € | Station + Montage + Programmierung |
| Szene programmieren | 50–100 € | Nur Programmierung (Taster bereits vorhanden) |
| Taster (4-fach, Standard) | 80–150 € | Taster + Rahmen + Beschriftung |
| Taster (4-fach, Design) | 200–500 € | Gira/Basalte Designtaster + Rahmen |
| Touchpanel (Wand, 7") | 800–2.000 € | Panel + Einbaurahmen + Programmierung Visualisierung |
Mit diesen Richtwerten lässt sich ein schnelles Budget erstellen: 80 Funktionen × Ø 200 €/Funktion = ca. 16.000 € für Material und Programmierung. Dazu kommen Systemgrundkosten und Elektroinstallation.
Gewerk-Aufteilung: Wer kostet was?
Die Gesamtkosten eines KNX-Projekts verteilen sich auf mehrere Gewerke. Die häufigste Verwirrung: Bauherren vergleichen nur den Integrator-Preis, vergessen aber die Elektroinstallation — oder umgekehrt.
Kostenverteilung Einfamilienhaus (Komfort)
| Gewerk | Was | Kosten ca. | Anteil |
|---|---|---|---|
| KNX-Material | Aktoren, Sensoren, Taster, Spannungsversorgung, Gateway, Buskabel | 6.000–14.000 € | 30–35 % |
| KNX-Programmierung | ETS, Inbetriebnahme, Test, Dokumentation | 3.000–8.000 € | 20–25 % |
| Elektroinstallation | 230V-Verkabelung, Sicherungstechnik, Schaltschrank, Montage | 8.000–15.000 € | 35–40 % |
| Planung & Beratung | Funktionsliste, Koordination, Installationsbegleitung | 1.500–3.000 € | 5–10 % |
| Gesamt | 18.500–40.000 € | 100 % |
Wichtig: Die Elektroinstallation macht 35–40 % der Gesamtkosten aus — und die fällt auch bei konventioneller Installation an. Der KNX-Mehraufwand gegenüber konventionell liegt bei 30–60 %, nicht bei 100 %. Wer von „KNX-Kosten" spricht, meint oft die Gesamtkosten der Elektroinstallation plus KNX — nicht den reinen KNX-Aufpreis. Eine detaillierte Aufstellung finden Sie unter KNX Kosten.
Ausstattungsstufen und ihre Kosten
| Stufe | Funktionen (ca.) | Was ist dabei | Kosten Gesamt (EFH) |
|---|---|---|---|
| Basis | 30–50 | Licht schalten, Jalousie, Zentral-Aus | 10.000–18.000 € |
| Komfort | 60–120 | + Dimmen, Heizung, Szenen, Präsenzmelder | 18.000–30.000 € |
| Premium | 120–200 | + Multiroom, Sicherheit, Wetterstation, Visualisierung | 30.000–50.000 € |
| Luxus | 200–400 | + DALI, Mediensteuerung, Heimkino, Pool, Bewässerung | 50.000–100.000+ € |
Die meisten Projekte in der Praxis liegen im Bereich Komfort bis Premium — also zwischen 18.000 und 50.000 €. Das entspricht 3–8 % der Bausumme eines Einfamilienhauses. Als Prozentsatz der Bausumme:
- Basis: 2–3 % der Bausumme
- Komfort: 3–5 % der Bausumme
- Premium: 5–8 % der Bausumme
- Luxus: 8–15 % der Bausumme
Versteckte Kosten — worauf Sie achten müssen
- Schaltschrankgehäuse: 500–2.000 € für das Gehäuse selbst (Unterputz). Wird oft vergessen, weil der Elektriker es in seiner Kalkulation hat, aber der KNX-Integrator es nicht erwähnt.
- Programmierungsänderungen nach Abnahme: „Können Sie noch eine Szene programmieren?" — 80–120 €/h × 1–2 h = 80–240 € pro Änderungswunsch. Nach dem Einzug fallen erfahrungsgemäß 5–10 Änderungswünsche an.
- Firmware-Updates: KNX-Geräte brauchen gelegentlich Updates (Fehlerbehebung, neue Funktionen). Das macht der Integrator im Rahmen eines Wartungsvertrags — oder nach Aufwand (80–120 €/h).
- Ersatzgeräte: In 20 Jahren wird das eine oder andere Gerät defekt. KNX-Geräte sind langlebig, aber nicht unzerstörbar. Einzelne Aktoren (100–300 €) plus Programmierungsaufwand (1 h) = 200–420 € pro Austausch.
- Taster-Upgrade: Die Design-Linie wechseln (z.B. von Standard auf Gira Designrahmen) kostet 50–200 € pro Tasterplatz × Anzahl Taster. Bei 15 Tastern: 750–3.000 €.
Wo Sie sparen können — und wo nicht
Sinnvolle Sparmaßnahmen
| Maßnahme | Ersparnis | Einschränkung |
|---|---|---|
| MDT statt ABB/Gira (Aktoren) | 10–20 % | Gleiche Funktion, weniger bekannte Marke |
| Standard-Taster statt Design | 500–2.000 € | Optik, Haptik |
| Kabelverlegung durch eigenen Elektriker | 1.000–3.000 € | Koordinationsaufwand |
| Phasenweise Umsetzung | Zeitliche Verteilung | Phase 1 muss die Infrastruktur komplett enthalten |
| Heizung konventionell belassen | 2.000–4.000 € | Keine Einzelraumregelung, keine Absenkungsszenarien |
| Auf Visualisierung verzichten (App statt Touchpanel) | 800–2.000 € | Bedienerlebnis eingeschränkt |
Wo Sie NICHT sparen sollten
- Leerrohre: 50 € jetzt vs. 500 € später. Immer einbauen.
- Schaltschrankgröße: Der nächstgrößere Schrank kostet 100–200 € mehr. Zu klein = kein Platz für Erweiterungen.
- Programmierung: Die Kernleistung. Schlechte Programmierung = schlechtes System, unabhängig von der Hardware.
- Dokumentation und ETS-Projekt: Ohne Dokumentation sind Sie an Ihren Integrator gefesselt. Ein Anbieterwechsel ohne ETS-Projekt kostet Tausende.
- Spannungsversorgung: Nehmen Sie die 640 mA, nicht die 320 mA. Die Differenz (30 €) steht in keinem Verhältnis zum Risiko einer überlasteten Busleitung.
Budget-Beispiele aus der Praxis
Beispiel 1: EFH Neubau, 160 m², Basis
| Position | Kosten |
|---|---|
| KNX-Material (Aktoren, Taster, Spannungsversorgung) | 4.200 € |
| Programmierung + Inbetriebnahme | 2.800 € |
| Buskabel + Verlegung | 800 € |
| Elektroinstallation (konventionell, Mehrpreis KNX) | 3.500 € |
| KNX-Mehrkosten gesamt | 11.300 € |
Funktionen: 14× Licht schalten, 8× Jalousie, Zentral-Aus, 2 Szenen. Kein Dimmen, keine Heizungsregelung, kein Präsenzmelder.
Beispiel 2: EFH Neubau, 200 m², Komfort
| Position | Kosten |
|---|---|
| KNX-Material | 9.800 € |
| Programmierung + Inbetriebnahme | 5.200 € |
| Buskabel + Verlegung | 1.200 € |
| Elektroinstallation (Mehrpreis KNX) | 5.800 € |
| Planung + Koordination | 1.500 € |
| KNX-Mehrkosten gesamt | 23.500 € |
Funktionen: 20× Licht (12 dimmen), 10× Jalousie, 8× Heizung Einzelraum, 4× Präsenzmelder, 6 Szenen, Wetterstation, IP-Gateway.
Beispiel 3: Villa, 350 m², Premium
| Position | Kosten |
|---|---|
| KNX-Material (inkl. DALI-Gateway, Multiroom-Vorbereitung) | 22.000 € |
| Programmierung + Inbetriebnahme | 12.000 € |
| Buskabel + Verlegung (2 Linien) | 2.500 € |
| Elektroinstallation (Mehrpreis KNX) | 12.000 € |
| Planung + Koordination | 3.000 € |
| Visualisierung (Touchpanel + App) | 3.500 € |
| KNX-Mehrkosten gesamt | 55.000 € |
Funktionen: 40× Licht (30 dimmen, 10 DALI), 20× Jalousie, 15× Heizung, 10× Präsenzmelder, 8 Szenen, Multiroom-Vorbereitung, Sicherheitstechnik, Wetterstation, 2× Touchpanel.
Fördermöglichkeiten
KNX-Systeme können unter bestimmten Voraussetzungen gefördert werden — besonders wenn sie zur Energieeffizienz beitragen:
- BAfA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle): Förderung energieeffizienter Gebäudeautomation im Rahmen der BEG (Bundesförderung für effiziente Gebäude). KNX-Heizungsregelung und Energiemonitoring können förderfähig sein.
- KfW: Energieeffizientes Bauen/Sanieren (KfW 261/262). KNX als Teil eines Energiekonzepts kann in die Fördersumme einfließen.
- Bayerische Landesprogramme: Je nach aktueller Förderlandschaft gibt es regionale Zuschüsse für Smart-Home-Technik in Verbindung mit Energieeffizienz.
Details und aktuelle Fördersätze finden Sie im Artikel KNX Förderung.
Amortisation — rechnet sich KNX?
KNX rechnet sich nicht durch Energieeinsparung allein — obwohl die intelligente Heizungsregelung 10–20 % Energie spart und die automatische Beschattung die Kühllast reduziert. KNX rechnet sich durch:
- Komfort: Nicht quantifizierbar, aber der Hauptgrund für KNX. „Gute Nacht" drücken und alles ist erledigt.
- Wertsteigerung: Immobilien mit KNX erzielen 3–5 % höhere Verkaufspreise (Makler-Einschätzung, keine Studie).
- Langlebigkeit: KNX-Geräte halten 20+ Jahre. Die Gesamtkosten über die Lebensdauer sind niedriger als bei Funksystemen, die alle 5–8 Jahre ersetzt werden müssen.
- Flexibilität: Funktionsänderungen per Software, keine Bauarbeiten. „Ich möchte den Schalter anders belegen" kostet 1 Stunde Programmierung statt 1 Tag Elektrikerarbeit.
Häufige Fragen zum KNX-Budget
Kann ich mit 10.000 € KNX machen?
Ja — als Basis-Ausstattung. Licht schalten (nicht dimmen), Jalousie, Zentral-Aus. Keine Heizungsregelung, keine Szenen, kein Präsenzmelder. Das ist ein guter Einstieg, wenn Sie die Infrastruktur (Leerrohre, Schaltschrank) für spätere Erweiterungen vorbereiten.
Was kostet KNX pro Quadratmeter?
80–200 €/m² als sehr grobe Faustregel (Komfort-Ausstattung). Aber die Fläche ist der falsche Maßstab — eine offene Loftwohnung mit 200 m² hat weniger Räume und Funktionen als ein verwinkektes Einfamilienhaus mit 150 m². Die Funktionsliste ist die richtige Kalkulationsgrundlage.
Wie viel Reserve sollte ich einplanen?
15–20 % auf die Gesamtsumme. Erfahrungsgemäß fallen während des Projekts Änderungswünsche an: ein zusätzlicher Taster hier, ein Präsenzmelder dort, eine Szene mehr. Mit 15–20 % Reserve können Sie diese Wünsche ohne Budget-Stress umsetzen.
Was ist günstiger: KNX oder Loxone?
In der reinen Installation ist Loxone oft günstiger — weniger Geräte, zentralere Architektur, Programmierung im Paket. KNX wird durch die Langlebigkeit, Herstellerunabhängigkeit und Erweiterbarkeit über 20+ Jahre günstiger. Die Entscheidung hängt vom Zeithorizont und den Anforderungen ab.
Lohnt sich eine Nachrüstung?
Bei Nachrüstung im Altbau sind die Kosten 30–50 % höher als im Neubau (Aufputz-Montage, keine Leerrohre, eingeschränkte Verkabelungsmöglichkeiten). Ob es sich lohnt, hängt von der Anzahl der gewünschten Funktionen ab: Ab 20 Funktionen ist KNX wirtschaftlicher als Insellösungen (einzelne Funk-Aktoren).
Fazit
KNX-Budget ist keine Geheimnissenschaft — es basiert auf der Funktionsliste, den Kosten pro Funktion und der Gewerk-Aufteilung. Erstellen Sie eine vollständige Funktionsliste, priorisieren Sie Ihre Wünsche, und Sie haben eine belastbare Kalkulationsgrundlage. Planen Sie 15–20 % Reserve ein, sparen Sie nicht an Leerrohren und Programmierung, und vergleichen Sie Angebote Position für Position. Dann passt das Budget — und das Ergebnis.
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