Ihr Haus kennt vier Stimmungen
Ein KNX-Raumregler fragt nicht nur „Wie warm soll es sein?“, sondern zuerst: „Was ist gerade los?“ Ist jemand zu Hause? Schlafen alle? Ist die Familie im Urlaub? Für jede dieser Situationen kennt der Regler einen eigenen Modus — Fachleute sagen Betriebsart oder Betriebsmodus. Und zu jedem Modus gehört eine eigene Wunschtemperatur, der Sollwert.
Komfort
Sie sind da und wollen es gemütlich. Das ist die Temperatur, die Sie „richtig“ finden — im Wohnzimmer zum Beispiel 21 °C.
Standby
Sie sind kurz weg, kommen aber bald wieder. Das Haus spart ein wenig, bleibt aber so nah am Komfort, dass es schnell wieder angenehm ist.
Nacht
Alle schlafen. Es darf spürbar kühler sein — das spart Energie und ist für den Schlaf ohnehin besser.
Schutz
Niemand ist da oder ein Fenster steht offen. Das Haus tut nur das Nötigste: Es lässt nichts einfrieren und nichts überhitzen.
Das Schöne daran: Sie stellen nicht jeden Tag Temperaturen ein. Sie (oder Ihr Systemintegrator) legen einmal fest, was Komfort, Standby, Nacht und Schutz in jedem Raum bedeuten. Danach wählt das Haus nur noch den passenden Modus — und die richtige Temperatur folgt automatisch.
Heizen und Kühlen: dieselben Modi, umgekehrte Richtung
Hat Ihr Haus eine Wärmepumpe, die im Sommer auch kühlen kann, wird es spannend. Denn jeder Modus hat dann zwei Sollwerte: einen fürs Heizen und einen fürs Kühlen. Und die bewegen sich in entgegengesetzte Richtungen.
Beim Heizen heißt Sparen: kälter werden lassen. Beim Kühlen heißt Sparen: wärmer werden lassen. Der Nachtmodus im Sommer ist deshalb nicht „schön kühl“, sondern der Moment, in dem die Kühlung am wenigsten tut.
| Modus | Heizen (Winter) | Kühlen (Sommer) | Wann? |
|---|---|---|---|
| Komfort | 21 °C | 24 °C | Sie sind zu Hause und wach |
| Standby | 19 °C | 26 °C | kurz außer Haus, z. B. tagsüber im Büro |
| Nacht | 18 °C | 28 °C | alle schlafen |
| Schutz | 7 °C (Frostschutz) | 35 °C (Hitzeschutz) | Urlaub, Fenster offen |
Die Zahlen sind typische Beispielwerte für ein Wohnzimmer. In Ihrem Haus legt man sie Raum für Raum fest — ein Schlafzimmer darf kühler sein, ein Bad wärmer.
Die Totzone: Ruhe zwischen Heizen und Kühlen
Zwischen dem Heiz- und dem Kühl-Sollwert liegt ein Bereich, in dem die Anlage gar nichts tut. Fachleute nennen ihn Totzone. Im Komfortmodus liegt er im Beispiel zwischen 21 und 24 °C.
Warum ist das wichtig? Ohne diesen Puffer würde die Anlage ständig hin- und herspringen: Morgens heizt sie ein bisschen zu viel, also kühlt sie gleich wieder, dann ist es zu kühl, also heizt sie wieder. Das kostet Energie und nervt.
Wer schaltet den Modus um?
Den Modus wählt nicht der Zufall, sondern eine klare Reihenfolge. Mehrere Signale können gleichzeitig etwas „wollen“ — dann gewinnt das wichtigere:
Zeitprogramm
Die Grundlage. Eine Uhr legt fest, wann im Tagesablauf Komfort, Standby oder Nacht gilt — werktags anders als am Wochenende.
Präsenz
Ein Präsenzmelder merkt, dass jemand im Raum ist, und holt den Raum auch außerhalb der Zeitplanung auf Komfort.
Zwangsbetrieb
Ein zentraler Befehl für das ganze Haus, etwa „Urlaub“ per Taster an der Haustür oder per App.
Fenster offen
Ein Fensterkontakt meldet das offene Fenster. Der Raum geht in den Schutzbetrieb — es wird nicht gegen die offene Terrassentür angeheizt oder angekühlt.
Die Umschaltung Heizen ↔ Kühlen
Jetzt kommt der Punkt, an dem in der Praxis die meisten Probleme entstehen. Ein Raumregler muss wissen: Soll ich gerade heizen oder kühlen? Dafür gibt es zwei Wege.
Weg 1: Der Regler entscheidet selbst
Der Regler schaut auf die Raumtemperatur: Liegt sie unter dem Heiz-Sollwert, heizt er. Liegt sie über dem Kühl-Sollwert, kühlt er. Das funktioniert nur, wenn die Anlage in jedem Raum gleichzeitig heizen und kühlen kann — etwa mit getrennten Leitungen für warmes und kaltes Wasser (Vier-Leiter-System). Das findet man eher im Bürogebäude als im Einfamilienhaus.
Weg 2: Die Wärmepumpe gibt den Takt vor
Im typischen Einfamilienhaus fließt durch die Fußbodenheizung entweder warmes oder kühles Wasser — nie beides (Zwei-Leiter-System). Die Wärmepumpe entscheidet, ob Sommer- oder Winterbetrieb ist. Über KNX schickt sie ein einziges Signal „Heizen“ oder „Kühlen“ an alle Raumregler. Die schalten dann gemeinsam um.
Kühlen über den Fußboden: der Taupunkt
Mit einer Fußbodenheizung kann man im Sommer sanft kühlen — leise, zugfrei und angenehm. Fachleute sagen stille Kühlung. Ein Klimagerät ersetzt das nicht: Mehr als ein paar Grad schafft der Boden nicht. Dafür gibt es eine harte Grenze: den Taupunkt.
Warme Luft trägt Feuchtigkeit. Kühlt sie an einer kalten Fläche ab, wird das Wasser sichtbar — wie an einem kalten Glas im Sommer. Passiert das am Fußboden, drohen feuchte Stellen und auf Dauer Schäden.
Die fünf häufigsten Missverständnisse
„Im Sommer friert man nachts.“
Nein — beim Kühlen bedeutet Nachtmodus einen höheren Sollwert. Die Anlage kühlt nachts weniger, nicht mehr.
„Die Kühlung funktioniert nicht.“
Sehr oft steht die Wärmepumpe auf Kühlen, die Raumregler aber noch auf Heizen. Ein gemeinsames Umschaltsignal löst das.
„Die Heizung springt ständig an und aus.“
Meist ist die Totzone zu klein oder der Regler nicht auf die träge Fußbodenheizung eingestellt.
„Fenster auf, Heizung voll.“
Ohne Fensterkontakt merkt der Regler nur, dass es kalt wird — und heizt nach. Mit Kontakt geht der Raum in den Schutzbetrieb.
„Mehr Kühlen hilft mehr.“
Bei Flächenkühlung nicht: Unter dem Taupunkt wird es feucht. Lieber früh am Tag beginnen und sanft kühlen.
Häufige Fragen
Kann ich die Temperaturen später selbst ändern?
Ja. Komfort-Temperatur und Zeitpläne lassen sich je nach Ausstattung am Raumregler, am Touchpanel oder in der App anpassen. Die Grundeinstellungen wie Totzone, Rangfolge und Taupunktschutz legt Ihr Systemintegrator fest — die ändert man im Alltag nicht.
Brauche ich für Heizen und Kühlen zwei Raumregler?
Nein. Ein KNX-Raumregler kann beides. Er kennt für jeden Modus je einen Heiz- und einen Kühl-Sollwert und schaltet um, wenn das Signal kommt.
Wie viel spart die Betriebsart-Umschaltung?
Das hängt stark vom Gebäude und vom Heizsystem ab. Am meisten bringt sie dort, wo Räume oft leer stehen — und dort, wo ohne Fensterkontakt gegen offene Fenster geheizt wurde. Bei träger Fußbodenheizung ist der Effekt der Nachtabsenkung kleiner als bei Heizkörpern.
Kann ich Kühlen nachrüsten, wenn ich heute nur heize?
Wenn Ihre Wärmepumpe kühlen kann und eine Fußbodenheizung vorhanden ist, oft ja. Dazu kommen Feuchtesensoren für den Taupunktschutz und die zentrale Umschaltung in der KNX-Programmierung. Ob es bei Ihnen passt, klärt ein Blick auf Wärmepumpe und Heizkreise — siehe auch KNX Wärmepumpensteuerung.